Samstag, 27. Juli 2013

Hauptsächlich Stadt

Mein Mietauto abzuholen hat sich anstrengend gestaltet. Obwohl ich den kompletten Betrag schon vor nicht ganz einem Monat bezahlt hatte, wollte Avis zu ihrer Sicherheit noch einmal die Hälfte der Automiete auf meiner Kreditkarte sperren, inklusive einer one-way fee, die ich sowieso schon bezahlt habe. Nachdem ich viermal weiterverbunden wurde und jedesmal ein bisschen weniger freundlich mitgeteilt habe, was ich davon halte, habe ich den Protest aufgegeben. Meine greifbare Unzufriedenheit hat den Avis-Mensch verlanlasst, mir ein zwei Kategorien besseres Auto zu geben, was ich dann nicht abgelehnt habe. Ein Foto davon folgt sicher mal noch.
Nach etwa fünf Stunden Fahrt bin ich in Washington bei meinem Hostel angekommen, in einem Quartier, das auf den ersten Blick wenig vertrauenseinflössend wirkt. Meistens der einzige Weisse im Bus zu sein hat aber den grossen Vorteil, das von New York sabotierte Fremdfühlen und damit dankbarerweise auch meine Ferienstimmung voranzutreiben. Zudem haben sich die Leute hier als überaus freundlich und sympathisch herausgestellt. Washington D.C. ist einen Abstecher wert mit seinen grösstenteils kostenlosen, wirklich guten Museen und der auch sonst sehr lebendigen Kulturszene. Ich war bei einem Konzert/Biergarten in einem Hinterhofparkplatz, hat ein bisschen an die Lorraine erinnert, mit etwa 30-40 Leuten, einziges Manko, etwas ohne Booze gab's nicht. Tags darauf bin ich an ein anderes Konzert im Skulpturengarten der National Gallery of Art herangelaufen, der war komplett vollgepackt von Abhängern, kaum noch ein Fleckchen um sich hinzusetzen. Das Capitol ist vor allem im Innern beeindruckend, überall Marmorsäulen und Kuppeln. Der Senat tagte noch, aber nachdem ich etwa eine halbe Stunde den immer wieder gleichen Argumenten in etwas umgestellten Sätzen zur Sprechung von Geldern, bzw. zum Vorgehen der Entscheidungsfindung zum Sprechen von Geldern zugehört hatte (im Saal waren durchschnittlich etwa sechs Politiker anwesend, von theoretisch hundert), war mir klar wieso nur die wenigsten Besucher auch hierhin kommen.
Morgen fahre ich auf dem Skyline Drive in den Shenandoah ("Daughter of the Stars") National Park zum Campen und Wandern. Ich freue mich auf die hoffentlich ebenso poetische Natur. Das gibt dann sicher auch etwas bessere Fotos. Die paar aus Washington sind grösstenteils mit dem Handy geschossen, da ich das mit dem Batterie aufladen noch nicht kapiert habe.

Dienstag, 23. Juli 2013

Fremd Einheimisch


Neun Tage in der Stadt der vertikalen Übergrösse haben gereicht, um ein bisschen an ihrer Oberfläche zu kratzen. Man hat immer ein Bild eines Orts, bevor man hingeht, und meine Bilder treffen in den seltensten Fällen genau zu. Mich hat die enorme Energie dieser Stadt beeindruckt, die in ihrem Zentrum das Gefühl erzeugt, dass man sich im Zentrum dieser Welt befindet. Es scheint alles hierherzuströmen, wo es sich auftürmt und zu einem heterogenen Ganzen wird, das in seiner unglaublichen Vielfalt doch nur mit einem, laut pochenden Herz schlägt. In den Strassen ist es unmöglich zu entscheiden, welche Bevölkerungsgruppe in der Überzahl ist; Farbige, Latinos, Asiaten, Weisse, alle scheinen überall zu sein. Auch wenn es Quartiere mit deutlichen Konzentrationen gibt, bleibt Manhattan ein riesiger Schmelztiegel. Nirgends sonst auf dieser Welt hatte ich bisher als Tourist das Gefühl, so wenig Fremdes zur Bevölkerung beizutragen. Eine der wunderbarsten Ausprägungen davon ist, dass grundsätzlich jeder als Einheimischer betrachtet wird, denn weder Akzent noch Kleidung oder Aussehen vermögen eine deutliche Ausgrenzung zu erzeugen - hier ist alles schon vorhanden. Auf den Strassen laufen Geschäftsleute, Strassenverkäufer, shirtlose Jogger, Hipster, Amazonen, Heimatlose, Touristen, Verrückte, Workaholics, Basketballer, Schickimickis, Polizisten und Mütter mit Kinderwagen kreuz und quer durcheinander, meist ohne ineinander zu stossen oder Anstoss zu nehmen, oft ohne Notiz zu nehmen. Geteilt wird der Lebensraum, die Metro, die Hitze und eine zumindest vordergründige Toleranz.

Zu meiner Schande habe ich etwa gleich viel Zeit darauf verwendet mein Equipment zusammenzukriegen (vor allem camping gear), wie die Stadt zu erkunden. Am beeindruckendsten in letzterer Kategorie war aber die Nachtsicht auf die Stadt vom Dach des Rockefeller Centers, absolut spektakulär, und der Besuch eines Pubs, wo uns die pausenlos ablaufenden bühnenreifen Drama/Komik-Szenen mit ihren skurrilen Darstellern bis zum weinenden Lachen gebracht haben. Die unmittelbare Nähe zum Broadway wirkt offenbar inspirierend. Später am Morgen wollten meine roomies Carsten (Dänemark) und Bert (Belgien) im McDonald's vorbei, Bert hat dabei den Fehler begangen ein Filet-O-Fish zu bestellen, was zu einem Aufruhr unter den restlichen Gästen geführt hat, die Reaktionen schwankten zwischen Besorgnis, Ungläubigkeit und leicht feindseliger Verteidigung der eigenen Weltanschauung.
Obwohl die Stadt grösstenteils schön rechteckig und geordnet ist, gibt es doch noch genügend Räume, in denen man sich verlaufen kann, zum Beispiel im Central Park (beim Joggen in der Nacht), oder im naturhistorischen Museum.
Morgen hole ich meinen Mietwagen ab und fahre nach Washington (nachdem ich in Philadelphia keine anständige Unterkunft mehr gefunden habe). Sehr wahrscheinlich geht es danach weiter Richtung Süden.
Ich habe mir eine amerikanische SIM-Karte zugelegt, damit wechselt meine Handynummer bis anfangs Oktober auf +1 646 428 5321.

Montag, 8. Juli 2013

Schönes Ende der Welt und auf in die Neue

Nach ein paar vollen Tagen, in denen viel zu Ende ging (Arbeit, Nachmietersuche, Nerven) habe ich meine Ferien im Finistère in der Bretagne beginnen dürfen, zu Besuch bei meinen Eltern, die sich dort in einem Haus kaum einen Steinwurf vom Meer entfernt einquartiert hatten. Bei Ebbe drei Steinwürfe.

 

An der Thunerseeküste haben mich viele der besten Gründe zurückzukommen bei Bräteln, Ping-Pong und bengalischen Zündhölzern verabschiedet. Heute steht nun noch einiges Räumen, Putzen, Packen, Übergeben (nur die Wohnung, wie gehts den anderen Kandidaten?) an, bevor ich morgen früh endgültig die Flügel ausbreite, vergeblich flattere und dann im Flugzeugsitz platznehme, mit Ziel New York. Danach habe ich vor zu realisieren was ich alles vergessen habe, mich darüber aufzuregen und Frieden damit zu schliessen, die amerikanische Zolltortur unbeschadet zu überstehen, einige Nötigkeiten einzukaufen, mein Jetlag auszukurieren und die restliche Abschiedstraurigkeit abzulegen, um schliesslich voller Freude den Roadtrip vom einen Ozean zum anderen zu starten. Es wird sich zeigen ob das alles klappt.

Alles weitere ist noch nicht wirklich geplant, ich habe aber vor, hier hin und wieder eine Episode oder Fotos von unterwegs zu deponieren, damit ein wenig mitreisen kann wer mag. Natürlich freue ich mich sehr auch was aus der Schweiz (oder Deutschland giltet auch noch;) zu hören.