Die paar Tage in Sydney waren beinahe heimelig, zum ersten Mal seit Beginn der Reise fand ich mich am einem Ort wieder, den ich schon kannte, und dazu konnte ich bei Jami bleiben, die mir die besten Aussichtsplätze auf und um die Stadt zeigte. Vor sieben Jahren war ich für etwa zwei Wochen im Glebe Quartier untergebracht gewesen, das damals wie heute mit vielen kleinen Restaurants und einer entspannten Stimmung anzieht und mich veranlasste, die Glebe Point Road rauf und runter zu laufen, auf der Suche nach verblassten Erinnerungen, die an einer vertrauten Ecke plötzlich wieder Farbe annehmen.
Die Blue Mountains steuerte ich an als ein Ort, der mir letzten Mal entgangen war, wirkliche Berge erwartete ich nicht. Die Aussichten von den Klippen auf die waldigen Hügel und Täler, vor allem aber die Wanderung hinunter in die märchenhaft abwechslungsreiche Mischung aus Eukalyptus- und Regenwald, Bächen, von Drachen bewachten Wasserfällen, die Aussichten auf die senkrechten Felswände welche vor allem die Kletterin Bettina aka Bhakti begeisterten, der steile Aufstieg am Ende, atemberaubend.
Jeder Aussie, dem ich vom Vorhaben nach Canberra zu fahren erzählte, musterte mich verwundert und leicht mitleidig, ganz offensichtlich steht die ab 1913 als Kompromiss zwischen Sydney und Melbourne erbaute Hauptstadt nicht allzu hoch im Kurs. Was auch verständlich ist, im Bush Capital fehlt nicht nur Geschichtsträchtiges, sondern - zumindest während der Sommerferien - eine Menge Menschen, um die mit ausgedehnten Grünflächen und weitläufigen Aussenquartieren angelegte Stadt mit Leben zu füllen. Dadurch wirkten die vielen Statuen und Kunstwerke wie Lückenfüller oder noch schlimmer, Mahnmale der Leere. Mein Besuch bei Nina, die ich in Santa Monica getroffen hatte und die ebenso hitzebeständig ist wie ich, war trotzdem sehr lustig bei meist über vierzig Grad. Einmal waren wir in der Kletterhalle, und ich fürchte dort von einem Virus infisziert worden zu sein, jedenfalls habe ich fest vor, dies zu Hause zu wiederholen. Bilder der Blue Mountains bis Canberra.
Zurück an der Küste und die Australian Open im Blick fuhr ich mit Tempo Richtung Melbourne, aber der Wilson's Promontory Nationalpark, südlichster Punkt von Mainland Australien, verlangte dann mit seiner fantastischen Küste doch einen zusätzlichen Tag Aufenthalt. Zum Prom einladen liessen sich ein 70jähriger englischer Fitnessfanatiker und ein Kanadier, froh um die Mitfahrgelegenheit wo es leiderweise keine Busse gibt - ausser, wie ich hörte, die vom übereifrigen Polizisten auf dem Campingplatz für Fahren ohne Sicherheitsgurt bei 8 km/h.
Gestern traf ich David wieder, mit dem ich auf dem Vulkan in Vanuatu gewesen war. Captain Dan habe ich bisher nicht erreicht, hoffe ihn aber noch einmal zu sehen und ein paar Segelgeschichten aufleben lassen zu können. Das leichte Müdigkeitsgefühl hat sich durch den Sprint nach Melbourne nicht verflüchtigt, und ich denke ich sollte hier, in Adelaide, oder vielleicht in Tasmanien etwas länger bleiben und ein paar Eindrücke setzen lassen.




