Bald nach der Great Ocean Road folgte die Grenze zu South Australia, wo ich ohne Erwartungen sofort von einer leereren, wilderen und stärkeren Natur begeistert war, die mir das Gefühl gab, wirklich in Australien angekommen zu sein. Was ganz einfach daran liegt, dass ich letztes Mal vorwiegend im noch leereren und wilderen Westen unterwegs war. In Mount Gambier - vor allem bekannt für seinen saisonabhängig ungeklärt äusserst blauen Blue Lake - erhielt ich demonstriert, dass auch ehemalige Gefängnisse und nicht nur Nonnenklöster in Hostels umfunktioniert werden können. Dies scheint Schweizer aus irgend einem Grund anzuziehen, jedenfalls waren wir plötzlich sieben Landsleute in einer kleinen Küche, nachdem ich zuvor etwa dieselbe Anzahl in zwei Monaten Australien getroffen hatte. Mischi und Babs aus Zug sah ich im idyllischen Port Elliot und auf Kangaroo Island wieder, wo ich es zustande brachte, nach 20 Metern Fahrt den Seitenspiegel von ihrem Mietauto an einer Stange zu zerdäppern, beim Versuch eine herumfliegende Colaflasche einzufangen. Muss statistisch gesehen am Auto liegen, nicht an mir. Zum Glück war ich sehr langsam unterwegs und bloss der Spiegel zerbrach, oder bedeutet das nun zum Pech? Die Überfahrt nach küstenglänzend wallabyüberschwemmt Kangaroo Island brachte ein bisschen Segelnostalgie mit sich, passend dazu hat mir Silvie ihre Fotos vom Törn an der Gold Coast geschickt, grosses Merci für das unbemerkte Festhalten von diesen schönen Momenten. Inzwischen bin ich in Adelaide angekommen und treffe letzte Vorkehrungen für die Fahrt ins Red Centre, unter anderem habe ich es endlich zustande gebracht eine Bullbar zu montieren. Über den Nutzen dieses Manövers kann man diskutieren, denn wenn man ein ausgewachsenes Känguruh erwischt bringt auch diese nicht allzu viel, aber die Chance glimpflich davonzukommen ist etwas höher - für mich und das Auto. Und die Zahl an Tieren, tot auf und lebendig neben der Strasse, ist ein klares Anzeichen dafür, dass die Chance für einen direkten Zusammenprall mit der Natur nicht unerheblich ist. Ich versuche das Risiko zu mindern und möglichst nicht während der Dämmerung und bei Nacht zu fahren. Wasser- und Benzincontainer, anständiges Motoröl, durchgecheckter Bordcomputer, möglicherweise ein gemietetes Satellitentelefon und Aushänge um eventuell einen Reisegefährten zu finden sind weitere sicherheitsbedachte (und elternberuhigende?;) Massnahmen.
Adelaide beherbergt zu dieser Jahreszeit massenhaft Festivals, und ich würde mir gerne etwas mehr Zeit lassen dafür, doch die Wüste und die Westküste rufen, und darauf freue ich mich schon lange. Neues voraussichtliches Datum für meinen Rückflug in die Schweiz ist der 1. Juni.
Bilder von zwischen Melbourne und Adelaide.




