Nach einem weiten Sprung nordwärts in den Grand Teton Nationalpark, habe ich am Fusse von richtigen Bergen endlich wieder mein Zelt aufgeschlagen, in der Überzeugung dem Wüsten Wetter entronnen zu sein. Fünf Minuten später fielen krachend zentimetergrosse Hagelkörner, die aber zum Glück sowohl Auto als auch Zelt hail liessen. Nach einer kalten Nacht voller Niederschlag fiel mein erster Blick auf plötzlich weisse Berggipfel, denen ich in einer langen, ständig (gemässigter) verhagelten aber trotzdem genossenen Wanderung zum Lake Solitude etwas näher kam. Der Yellowstone Nationalpark liegt direkt anschliessend nördlich, an meinem ersten Tag dort konnte ich allerdings nicht mehr viel unternehmen, nachdem ich ausserhalb des Parks eine Avis-Vertretung aufsuchen und zweieinhalb Stunden rumstürmen und zuwarten musste, damit sie ihre internen Probleme ausräumen und den Beschlagnahmungsbefehl für das Auto zurückziehen - eine Katastrophe. Ihr Werbespruch "We're number 2, we try harder" gehört mit "... and still fail miserably" beendet.
Die erste Nacht in Yellowstone war nicht kalt sondern gefroren, wie mein Zelt, und zum ersten und hoffentlich einzigen Mal auf diesem Trip war mein Schlafsack so richtig gefordert. Die folgenden zwei Schönwettertage im Nationalpark Nummer 1 der Welt, der auf einem aktiven Supervulkan sitzt und weltweit die Hälfte aller geothermischen Features (Merkmale? Ausprägungen?) beherbergt, brachten dann aber die farbenfrohe Umgebung des Parks ernsthaft zur Geltung. Angestachelt von Philippe's erfolgreichem Jungfraumarathon war ich auf dem einen Hike 40km unterwegs, einen grossen Teil davon so weit im Backcountry, dass ich keinen einzigen Fussabdruck (dafür aber haufenweise Tierspuren) fand. Mein Bärspray war in diesem Moment von unschätzbarem Wert für meine Nerven. Zudem habe ich mich jeweils angekündigt, wenn die Bäume dichter wurden und ich gegen den Wind lief (Rätsel: what does the fox say? ;). Die Nächte in Yellowstone werden in dieser Jahreszeit mystifiziert durch das markdurchdringende melancholische bugling der Wapitis (hier: Elk), was etwa wie das Öffnen des Tors zu einem Geisterschloss klingt.
Eine Bitte in eigener Sache: Ich habe mich auf den langen Strassen Amerikas so langsam durch meine Musikbibliothek gehört, wer also etwas zum Soundtrack meiner Reise beitragen möchte, ich würde mich sehr freuen über neue Musik (am liebsten alle Tracks des Albums, aber einzelne mp3's sind natürlich auch willkommen). Ich habe einen Ordner in meiner Dropbox dafür eingerichtet - oder per Mail. Merci tuusig!





