In der Mitte des Staats Tennessee liegt seine Hauptstadt Nashville, die sich gerne auch als Hauptsstadt der Country-Musik bezeichnet, wobei auch Blues und andere Styles gut vertreten sind. Auf jeden Fall kenne ich keine Stadt, in der sich mehr um die Musik dreht. Wer nicht selbst Musiker ist, der versucht es höchstwahrscheinlich zu sein. Die zahlreichen Honky-Tonks, Musik-Bars und Openairs sind Anziehungspunkt und erhofftes Karrieresprungbrett für unzählige Nachwuchskünstler, wer nicht dort spielen kann versucht es auf der Strasse. Die kreative Stimmung kann dabei auch etwas weniger ausgeprägte Talente zu Performances hinreissen, die an der Grenze zwischen Hoffnung und Verzweiflung stattfinden. Die meisten der Gigs sind aber auf einem erstaunlichen Niveau, teilweise treten auch schon voll etablierte Bands gratis auf, was Ausgang und Nightlife zu einem tollen Erlebnis macht. Tagsüber ist deutlich weniger zu sehen, die originalgetreue Replik des Parthenons war den Besuch aber wert, wenn auch schlussendlich vorwiegend wegen dem umgebenden Park. Die Elvis-Stadt Memphis scheint zumindest in ihrem Zentrum etwas in der Vergangenheit gefangen zu sein. Gebäude zerfallen, kaum Leben ist zu sehen, und die kurze Touristenmeile Beale Street hat mich schnell in die Flucht geschlagen. Vor (m)einem vernichtenderen Urteil bewahrt wurde der Ort durch den Zufallsbesuch im (leeren) Basketballstadion, die sehr enthusiastische Tour in den Sun Studios (munziges legendäres Aufnahmestudio, da waren u.a. Elvis, Johnny Cash, Bono von U2), und das Pilgrim Hostel mitsamt Quartier. Auf Graceland habe ich verzichtet.
Mit den vor dem Greyhound geretteten Peter (Irland) und Christy (England) im Auto bin ich nach New Orleans gefahren, das 2005 von Hurricane Katrina unter Wasser gelegt wurde. Davon ist nicht mehr viel zu sehen, aber - ähnlich wie 9/11 in New York - bleibt es in Bildern und Menschen präsent. Auch hier ist die Musik überall, besonders beeindruckend war ein Improvisations-Gig, bei dem die Musiker ständig wechselten und gegeneinander antraten. Das Museum zum zweiten Weltkrieg ist eines der besten, das ich je gesehen habe, dort hätte ich auch noch länger als die fünf Stunden zubringen können. Der Abstecher zu den Alligatoren im Sumpf brachte eine ersehnte Abwechslung zur Stadt, zwar geführt mit vielen anderen Touris, aber immerhin dank des Naturparks ohne die leiderweise sonst sehr übliche Fütterung mit Marshmallows oder Huhn.
Kategorie unfassbar: sogar Friedhöfe sind befahrbar.
Am meisten Memphis, aber auch Nashville und New Orleans haben den Ruf, gegendlich kriminell verunsichernd zu sein, was mir auch so vorkam und einige ersthändige Geschichten bestätigten. So wurde ein Aussie innert kürzester Zeit sowohl von seinem Portemonnaie als auch seinem Handy (einem hilfreichen Einheimischen geborgt, der darauf einfach das Weite sucht) befreit. Von Gewaltverbrechen hörte ich nur Gerüchte, auf jeden Fall aber lohnt es sich hier, etwas Vorsicht walten zu lassen.
Als nächstes geht's nach Texas.



