Mit einem von der Versicherung gestellten Mietauto verliess ich das Rote Zentrum und Alice Springs, mit dem Ziel damit die Westküste zu erreichen. Die Vertragsbedingungen nahmen dabei ziemlich starken Einfluss auf meine Planung - das Verbot auf unsealed roads zu fahren subtrahiert beinahe alle National Parks, die inklusiven 100km/Tag reichen nirgendwo hin und zwingen zu möglichst direkter Fahrt, die maximal 14 Tage Mietdauer lassen nicht viel Zeit. Also verzichtete ich auf den nördlichen Zipfel und den Umweg nach Darwin, Kakadu- und Lichfield Nationalpark - nicht ganz widerwillig, denn das bedeutet auch mehr Zeit an der Westküste. Die Freiheit, die ich durch das Mietauto verlor, gewann ich beinahe wieder zurück durch verminderte Sorgen um den Autozustand, und der Aufwand für Registrierung und Verkauf lassen mich vermutlich für den Rest bei einem Mietwagen bleiben.
Gerade läuft in Australien Wolf Creek 2, ein Horrorfilm eines Serienmörders im Outback, der es vor allem auf ausländische Touristen und Hitchhiker abgesehen hat. Die "wahren Begebenheiten" auf die sich das Prequel beruht sind ein Gemisch aus verschiedenen Morden, einer auf der Strecke Alice Springs Darwin, aber vor allem diejenigen eines Serientäters in New South Wales an der Ostküste (also nicht im Outback). Trotz den sehr dünn gesäten Fakten, gefassten Tätern und langem Abstand zwischen solchen Verbrechen hatte der Film eine nachhaltige Wirkung auf die Psyche von vielen Australienreisenden, und selbst die ansässigen Aussies lassen sich beeinflussen. Ich habe Mischa, vormals Tourguide bei Uluru und Hitchhiker auf dem Weg zum neuen Job kurz nach Alice aufgelesen, und der Film war schnell Thema. Am Abend lud ich ihn direkt bei einem anderen Hitchhiker ab, am nächsten Morgen nahm ich beide wieder mit, sie hatten sich nur 20km weiterbewegt, unter anderem weil es den meisten Lastwagenfahrern verboten ist, Anhalter mitzunehmen, und teilweise sogar eine Überwachungskamera im Cockpit mitfährt. Während Hitchhiken nie vollständig sicher ist, glaube ich hat das Outback einen zu schlechten Ruf dafür gekriegt. Der Abgeschiedenheit wirkt genauso verbindend wie isolierend, gerade wenn jemand eine Panne hat, einmal hatte ich pausierend die Warnblinker an, mangels viel Parkplatz neben der Strasse, was sofort zum Halten bewegte und Mischa einen Transfer verschaffte.
Unterwegs stoppte ich kurz im kleinen Kaff Elliott und bei Sue, einer Freundin von Nitya. Ich hätte dort übernachten dürfen, da ich aber schon mittags ankam blieb ich nur auf ein kurzes aber sehr interessantes Gespräch, sie arbeitet mit Aborigines Familien und versucht präventiv zu verhindern, dass Kinder in die child protection aufgenommen werden müssen. Ihr Bild von den Aborigines war entsprechend ausgewogen und differenziert, ungleich den Extremen vieler anderer Australier denen ich begegnet bin: die Einen sind mehr oder weniger offen rassistisch und ausfällig, für die Anderen ist jede Kritik oder Eingriff bei den Ureinwohnern unangebracht. Es ist vor allem diese zweite Gruppe, die mich beschäftigt hat, ich vermute die Haltung entspringt natürlicherweise dem nationalen schlechten Gewissen aufgrund der Gräueltaten der weissen Invasoren, aber auch einer aus kulturellen Unterschieden konstruierten Unantastbarkeit (erinnerte mich an Fiji), und vielleicht fast am bedenklichsten, einem Bedürfnis nach mystifizierten Inhalten im eigenen Leben und damit einem aktiven Wegsehen. Sue meinte auf die Frage, wieviel auf den Eingriff des weissen Manns zurückgeführt werden könne, dass fast alles damit zu tun habe, und dass die Aborigines wie traumatisierte Menschen handeln, was sich u.a. in der grossen Alkoholsucht, häuslicher Gewalt und vernachlässigten Kindern niederschlägt. Eine einfache Lösung sieht sie auch nicht, ein totales Alkoholverbot könnte vieles verbessern, aber sei leider theoretischer Natur. Während in den Städtchen im Outback fast immer randständige Gruppen von Aborigines zu sehen sind, habe ich persönlich noch nie eine aggressive Handlung direkt mitverfolgt.
In Katherine angekommen entschied ich aufgrund fehlenden Tempomats bei Hertz einen Autotausch anzustreben, denn Cruise Control spart bei diesen Strecken und Strassen eine Menge Anstrengung ein und macht die Fahrt damit auch sicherer. Vom lokalen Totsch wurde mir der Tausch verweigert, trotz des vorhandenen gleichen Modells mit Tempomat, mit der Begründung mein älteres Modell würde ihm weniger Geld einbringen. Sehr suspekt. Ich rief ergebnislos Hertz Kundendienst an, danach meine Versicherung, die riefen die Hertz Zentrale an, diese den Manager in Darwin, welcher wiederum dem Totsch befahl mir das Auto auszuhändigen, was dann plötzlich freundlich möglich war. Entspannten Fusses, Blick grösstenteils logelöst vom Tacho, mit besserer Soundqualität, war die restliche Fahrt nach Broome eine wahre Freude, die auch in den Unterbrüchen durch bemerkenswert schön angelegte Zeltplätze, immer mit Pool und einmal mit luxusresortigem Pool, nicht unterbrochen wurde.
Ich werde wohl um die drei Wochen in Broome bleiben, und der nächste Eintrag befasst sich mit diesem magischen Ort.


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