Mittwoch, 7. August 2013

Chasing Balloons

In Charlottesville, Virginia, habe ich meine Tante Berta besucht, von der ich nur sehr wenige Erinnerungen hatte. Trotz meiner sehr frühzeitigen Planung (Telefon tags zuvor), war sie frecherweise noch zwei Tage weg, ich wurde aber von Scott, der das Anwesen in Schuss hält, sehr liebenswürdig empfangen und im Gästezimmer einquartiert, in dem schon mein Vater, wie dieser mir verraten hat, vor genau 50 Jahren für eine Weile wohnte. Aus einem kurzen "Hi" sagen wurden so schliesslich sechs Tage Aufenthalt, in denen ich half einen Heissluftballon zu jagen (Scott ist Pilot, sehr junge 60, ledig, bringt Geld und Ballon;) und den Flug für die frischverlobten Passagiere in Bildern festzuhalten, viel über die Geschichte der ersten englischen Kolonie und Thomas Jefferson erfuhr (aus Virginia stammen u.a. 4 der ersten 5 US-Präsidenten), den James River auf alten Autopneus (heisst tubing, hat an Laos erinnert) runtergondelte, grosse Freude am Piano entwickelte, die warmen und grillendurchtönten Nächte genoss, mir den Titel Lieblingsneffe mit nachdrücklich demokratisch-liberalen Argumenten verscherzte, den perfekt in die Stimmung passenden Western "The Man Who Shot Liberty Valance" (1962) anschauen durfte. Ganz allgemein bin ich in diesen Tagen einem Haufen guten Leuten begegnet und habe eines meiner Vorurteile gegenüber Amis um die Ohren geknallt erhalten, als eine Kellnerin uns innerhalb von kürzester Zeit ihr ziemlich krasses Leben (3jährige Tochter deren Vater es einmal gesehen hat und sich wie gewünscht fernhält, verdient $2.30 plus Trinkgeld auf die Stunde, hatte zwei Stunden im Restaurant geschlafen und befand sich also mehr oder weniger in einer 24h-Schicht, hilft mit bei der Ernährung der Kinder ihrer Schwester...) auf eine derart offene und immer noch positive Art (augenleuchtende Riesenfreude am Kind) mitgeteilt hat, dass ich nie wieder behaupten möchte, Amerikaner würden sich schwer tun mit tiefgehenden Gesprächen.
Manchmal muss man nicht mal fragen, um Persönliches zu erfahren:

An einer Bar, Musik ist zu laut, Gast hat einen (kaum vorhandenen!) Schweizer Akzent.

Gast (vermisst die gute alte Zeit der Internet-Cafés): "Do you have a key for the wifi?" [Do you have a kid or a wife?]
Bartender (leicht irritiert): "In fact I have two kids and an ex-wife..." [In fact I have two keys, one is ex-wife..."]
Gast (zieht Augenbraue hoch): "ex-wife??"
Bartender (nickt): "Yup."
Gast (beginnt achselzuckend ex-wife als Passwort einzutragen)
Bartender (will's jetzt doch wissen): "Why do you ask?"

 ... Es folgt die Aufklärung des Missverständnisses zur, nur leicht peinlich berührten, Heiterkeit aller Beteiligten.

1 Kommentar:

  1. Wie sieht's mit der Aufklärung aus? ;) Schön dich auf deiner Reise "begleiten" zu dürfen... Fast wie Ferien von Bern aus... E lg u hug, Shirin

    AntwortenLöschen