Freitag, 4. Oktober 2013

Wild West

Nach den vielen Nationalparks war es ein grosser Segen, bei Scott's Freundin Bonnie und ihrer Familie in einer realeren Umgebung mit liebenswürdiger Selbstverständlichkeit aufgenommen zu werden und ein wenig herunter zu schalten. Mit den Pferden von Lawrence (Bonnie's Bruder) und Kathy konnten wir einen Ausritt in Montana's Bergen unternehmen, was ganz bestimmt eines der Highlights dieses Trips bleiben wird, dank den lieben, lustigen und sehr schlauen Einheimischen, dem komfortablen, unfassbar folgsamen und gutmütigen Pferd (Tennessee Walker, hat einen speziell schnellen und glatten Gang und reagiert auf neck reining - leichtestes am Hals Anlegen der Zügel lenkt das Pferd), und sogar das Wetter passte für einmal ins Bild. Aus ein bis zwei Tagen Vorbeischauen wurden vier entspannte Tage Ferien von den Ferien, bevor ich mich wieder auf den Stahlgaul schwang und den letzten Abschnitt zum pazifischen Ozean unter die Räder nahm. Zum ersten Mal auf dem Trip sah ich dabei Hitchhiker (an der Westküste später häufig), die ich mitsamt ihrem Basilikumstrauch nach Seattle mitnahm. Dort wurde mir bewusst, dass die letzte grössere Stadt Austin in Texas gewesen war, und im Feierabendstau stehen schien mir das passend urbane Ankunftsritual. Seattle präsentierte sich ab dem zweiten Tag stereotypisch regnerisch und fühlte sich für mich fast europäisch an, vielleicht wegen der für die USA eher ungewohnten Hanglage. Ein Teil der Stadt wurde nach wiederholten unappetitlichlichen Abwasserkatastrophen künstlich erhöht, was die ersten Stockwerke der umliegenden Gebäude in ein Untergrundquartier verwandelte, in den inzwischen verlassenen Gängen laufen aber nur noch Touristen rum. Bilder von Bozeman und Seattle.
Von Oregon sah ich wegen konstanter Regenwand nicht allzu viel und die Gegend bleibt mir höchstens für das sympathische Hostel in Seaside in Erinnerung, in dem eine Gruppe sehr internationaler Austauschschüler für Unterhaltung sorgten, ich vom Koch der Portland Trailblazers (Basketballteam) bekocht wurde und ein sehr engagierender kalifornischer Surfer mich wie in schlechten Filmen mit jedem zweiten Wort als Dude betitelte. Erstaunlich häufig wird man hier übrigens mit Sir angesprochen, das ein bisschen die nicht existente Höflichkeitsform zu ersetzen scheint. 
Inzwischen bin ich bereits in San Francisco angekommen, der Bericht zu Kalifornien sollte bald folgen.

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