Samstag, 26. Oktober 2013

Le grand bleu

Sorry für die längere Pause, Internet hat hier zwei Hinkefüsse.

Während den drei Monaten USA bin ich kaum dazu gekommen zu lesen, die Tage haben sich allesamt sonst gefüllt. Umso mehr freute ich mich auf die Strandliegelesezeit auf südpazifischen Inseln, drei Bücher hatte ich auf meinen liebgewonnenen Kindle geladen, den ich im Flugzeug liegen liess. Porca miseria. Sehr wahrscheinlich wurde er vom Putzpersonal gefunden, zurückgegeben aber leider nicht.

Nach diesem grandiosen Fehlstart konnte Fiji eigentlich nur noch besser werden, einen weiteren Flug, eine Auto- und Bootfahrt entfernt bot die Insel Qamea mit ihrer Abgeschiedenheit eine gute Gelegenheit um mich zu beruhigen - spätestens im Meer hatte ich dann alles von elektronischen Geräten vergessen. Das Riff vor dem Maqai Beach fällt stellenweise senkrecht ab in die tiefblaue Tiefe, für einmal bleibt das Hinausgleiten über die Klippe nicht den oft beniedenen Möwen vorbehalten, ein pulsbeschleunigendes schwebendes Erlebnis, auch noch viele Wiederholungen später.

Das Resort, bestehend aus einfachen Bure (Bungalows, eigentlich traditionelle Hütten aus Holz und Stroh, diese benutzten auch Zeltmaterial) und einem grösseren Hauptgebäude, liegt direkt zwischen Strand und dichtem Dschungel, und muss für die gesamte Verpflegung sorgen (was recht gut gelingt), da weder Restaurant noch Laden, oder irgend ein anderes Gebäude in der Nähe ist. Nach der riesigen Freiheit in den Staaten fühlte es sich für mich etwas eingrenzend an, bei allem so stark auf Andere angewiesen zu sein und meinen Aktionsradius drastisch verkleinert zu sehen. Trotzdem ein sehr sympathischer Ort, an dem man schnell alle Gäste (die Anzahl reduzierte sich während meines Aufenthalts von anfänglich 14 auf 3, ohne dass Kannibalismus involviert war) und auch das Personal kennenlernt.
Auf der Insel Waya bin ich in einem Resort untergekommen, das nicht nur für Backpackers sondern auch für besser zahlende Kundschaft catert, was einen interessanten, wahrscheinlich ziemlich einzigartigen und erstaunlich gut funktionierenden Mix erzeugt. Nach einem ansprechenden Probetauchgang entschied ich mich, hier den längst fälligen Open Water Diver zu machen. Ich glaube eher nicht, dass ich den Schein oft brauchen werde - Schnorcheln ist einfach freier, schneller, unabhängiger, sportlicher, billiger, natürlicher - trotzdem von Vorteil, ab jetzt die Möglichkeit offen zu haben. Auch zu erstmaligem Yoga in meinem Leben liess ich mich hinreissen, und war dabei nahe an einer Endorphinüberdosis - zu lange kein Sport wahrscheinlich.

Die Kultur der indogenen Fijians, die Englisch als Zweitsprache besitzen und in einem sehr gespannten Verhältnissen mit den beinahe gleich zahlreichen indischstammigen Fijians leben, ist traditionell sehr stark auf die Dorf- und Familien-Gemeinschaft ausgerichtet aber auch sehr patriarchalisch. Ich habe den Eindruck, der Tourismus und einziehende Materialismus bringt auch hier viel aus den Fugen. Familien kapseln sich stärker von ihrer Grossfamilie ab um keinen finanziellen Beitrag leisten zu müssen, damit sie ihre Kinder auf bessere Schulen schicken können. Mit mehr finanziellen Mitteln werden individuelle Besitztümer häufiger, damit steigt der Neid und sinkt das Gemeinschaftsdenken. Während durchaus viel echte Freundlichkeit, Gastfreundschaft und Glück trotz/wegen einfachem Lebensstil vorhanden ist, zum Beispiel beim rituellen Sozialisieren um die Kava-Schüssel (leicht sedierendes Getränk aus Wasser und einer Wurzel - schmeckt wie aus einer Pfütze; für Kava und Zigaretten wird viel Geld ausgegeben), spürt man genauso oft eine unterliegende Unzufriedenheit oder gar verborgenen Groll. Ein Fijianer, der zuhause Frau und Kind herumkommandiert (was mir verschiedentlich als eher der Normalfall beschrieben wurde), wird wohl eher selten einen Ausländer in einem Restaurant mit Freude bedienen. Ich tue mich auch mit anderen Facetten der Kultur schwer, neben Offensichtlichem wie de facto geduldeter häuslicher Gewalt etwa mit überspielter Heiterkeit, die oft am stärksten ist wenn sich jemand ungeschickt anstellt (zu sehen z.B. bei Volleyball oder Darbietungen während einer Geburtstagsparty). Gerade auf Waya kam dazu auch der Zirkus für die Touris (jede Woche Dorfbesichtigungen, Fiji-Night mit traditionellen Tänzen die in pure Resort-Animationen ausarten), was ganz einfach künstlich wirkt, wenn man wirklich hinschaut, sich aber hinter dem Schutzschild der kulturellen Erfahrung effektiv vor zu grosser Skeptik versteckt. Es sind solche Gegensätze und Vordergründigkeiten, die mich für diesen Trip dazu veranlasst haben, mehr Zeit in Ländern wie der USA und Australien zu verbringen, wo der kulturelle und ökonomische Graben zu den Einheimischen deutlich kleiner ist und ich mich mehr entspanne. Dass ich in Fiji dennoch eine sehr gute Zeit hatte lag vor allem an der ohne Ende faszinierenden Unterwasserwelt und an besonderen Menschen - Nithya, David & Aisling, Jörg & Andrea, Sara, Jo, Clare, Emma - die ich am letzten Tag fantastischerweise fast alle per Zufall nochmal traf. 

Seit heute bin ich in Vanuatu, was mir bisher viel mehr zusagt als Fiji, alles schien echter, bis auf dem Markt von Port Vila in einem sehr surrealen Moment plötzlich Didier Burkhalter mit Delegation an mir vorbeilief, blitzblanke Aufmachung umgeben von viel nicht ganz so sauberem Erdigem, ich musste mich darauf fast als Schweizer outen und Hallo sagen. Ist um einiges spannender, einem Bundesrat eine halbe Welt entfernt als in Bern zu begegnen.

Another instant classic of a misunderstanding:
Me (digustedly): "Centipede in the sink!"
Adam (frowning): "Who's Centi?"

1 Kommentar:

  1. Willkommen! Fische und Yoga, das hab ich dir vor 7 Jahren schon ans Herz gelegt. Freu mich mit dir. Tanja

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