Donnerstag, 7. November 2013

Mars

Über die Jahre hat der aktive Vulkan Mount Yasur in der umliegenden Landschaft eine teilweise meterdicke schwarze Aschesandtonschicht gelegt, er donnert unablässig, blitzt manchmal, setzt gelbgrauschwarze Wolken in den Himmel, erschüttert die Erde. Und in der Nacht sieht man weithin, wie aus dem roten Glühen Lavabrocken in die Höhe steigen, ein Ehrfurcht gebietendes Feuerwerk der Natur. In den umliegenden Dörfern gilt das erste Gebet Yasur, danach der Reihe nach dem John Frum Kult (ich versteh's immer noch nicht ganz, erkläre es also lieber nicht), dem Dorfchief und schliesslich Jesus. Wenn man dem Vulkangott nur zuhöre, dann erzähle er einem Geschichten, vertraut mir der 81jährige Urgrossvater David an. Dieser mystische Medizinmann (sein höchstangepriesener Zaubertrank hilft der Maschine beim Familie gründen, seine Frau nickt verschmitzt) trägt ein T-Shirt, aber seine Heilkräfte werden durch seine Vitalität fast glaubhaft, was er mit zerdrückendem Händedruck zu untermauern sucht. Natürlich war ich erst beim Verabschieden darauf vorbereitet, das folgende wunderbar absurd kindische Kräftemessen endete Unentschieden und in einem Riesengelächter aller Anwesenden.
Ich wurde auf der Vulkaninsel Tanna vom sehr sonnigen Gemüt des Australophilippino David (noch einer) begleitet, seinen heiteren Witzen konnte ich nur mit dem humoristischen Gegenstück des Miesepeters begegnen. Wir waren ständig mit den Kiddies Thelma und Stanley unterwegs, zum Schwimmen im Fluss, hinauf auf den Kraterrand, zum Volleyball spielen und auf Besuch bei der Verwandtschaft (auf meinen Wunsch hin). Zudem liess ich mich zu einer Dorfbesichtigungstour überreden, was sich gnadenreich als reines Theaterstück (Tanz, Feuermachen, Zaubertrick) ausserhalb des Dorfes vor grandioser Vulkankulisse herausstellte. Die Kids meinten, es sei üblich mitzutanzen, was uns dank einfacher Choreografie und der sehr unaufdringlichen Art auch nicht schwerfiel und sogar Spass machte. Es gibt auf der Insel tatsächlich noch einige Dörfer, die komplett traditionell leben und die Strohröcke oder Nambas nicht für die Touris tragen, ich hoffe die meisten davon bleiben noch lange unzugänglich.
Zurück auf der westlichen Seite der Insel schnorchelte ich zum ersten Mal in einem Blue Hole (#2, unterhalb der Rocky Ridge Bungalows), das sind Vertiefungen im Riff, die wie Räume eines korallenverzierten Schlosses anmuten, für mich hinter dem Ningaloo Reef in Westaustralien bisher die zweitbeeindruckendste Unterwasserwelt.

Kaum zurück im Hauptquartier (Janelle und Jack's tolles Traveller's Budget Motel in Port Vila) hat sich der nächste Plan ergeben, und ich fuhr mit der Deutschen Carolin auf die Insel Lelepa, wo wir inmitten des Dorfs als einzige Touristen in einem alten Haus mit immer noch hängenden Familienfotos bleiben konnten, das ermöglichte einen ziemlich unverfälschten Einblick in das Dorfleben, welches wegen der besseren Versorgungslage ein wenig komfortabler ist als auf Tanna.

Zum Abschluss habe ich noch ordentlich Geld liegen lassen für eine schon lange beäugte Katamarantour, die ein paar super Schnorchelspots wie den Paul's Rock ansteuert. Es ist ein kleines Versäumnis, dass ich mich nicht stärker um eine Segelüberfahrt als Deckhand zum Beispiel nach Australien bemüht habe, das wäre durchaus ein machbares Projekt gewesen, eine günstige Art zu reisen und ein Abenteuer.

Als nächstes geht's nach Neukaledonien, das glaube ich noch einmal komplett verschieden ist von Fiji oder dem äusserst sympathischen, freundlichen, entspannten, noch am touristischen Anfang stehende Vanuatu.

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