Samstag, 22. Februar 2014

Great Expectations

Wenn ich Great Ocean Road höre, stelle ich mir eine Strasse vor, die Aussicht auf das Meer bietet. Meine Erwartungen wurden durch sehr positive Aussagen von Leuten in der Nunnery noch erhöht, und dann ziemlich enttäuscht. Das Meer sieht man eher selten auf der 243km langen Strecke, und während die Küste auf jeden Fall schöne Abschnitte hat, habe ich wohl zusammen mit dem trüben und walbrandrauchigen Wetter auch gleich noch die falschen Aussichtspunkte erwischt. Angelangt beim Parkplatz zu den Zwölf Aposteln, die ja in der Tat zu siebt mit einigen Trümmern sind, entschied ich mich etwa 20km zurück autozustoppen und mir das Highlight aufzusparen bis ich entlang eines Abschnitts des 2004 erbauten, 104km langen Great Ocean Walks wieder ankomme. In der festen Annahme, dass der Fussweg mehr Meersicht bietet. Der stellte sich aber leider ebenfalls eher als Great Bush Walk heraus, abgesehen von ein paar zugegebenermassen tollen Aussichten und dem wundervoll kuriosen Ship Wreck Beach wird man grösstenteils nur vom Geräusch der grandiosen Brandung begleitet und damit neckend gefoltert. Bei meinem ersten Hitchhike in Australien wartete ich etwa eine halbe Stunde, bis ich mitgenommen wurde, dann aber gleich vom (T)Raumschiff Surprise . Wer den Film nicht kennt, dem sei geraten es auch dabei zu belassen. Jedenfalls waren es schlussendlich ein Bayer und ein Niederösterreicher, der auch noch aussah wie Christian Tramitz, ansässig in München, beide Flugbegleiter und sehr offentragend ein Paar, die mich hilfsbereit und extrem freundlich mitnahmen. Unsicher ob ich die Till Schweiger Rolle spielen müsste in dieser Parodie einer Parodie fühlte ich mich gleichzeitig unter zu vielen Stereotypen begraben, kurz vor einem Lachausbruch und leicht diskriminierend schuldig.

Bald nach der Great Ocean Road folgte die Grenze zu South Australia, wo ich ohne Erwartungen sofort von einer leereren, wilderen und stärkeren Natur begeistert war, die mir das Gefühl gab, wirklich in Australien angekommen zu sein. Was ganz einfach daran liegt, dass ich letztes Mal vorwiegend im noch leereren und wilderen Westen unterwegs war. In Mount Gambier - vor allem bekannt für seinen saisonabhängig ungeklärt äusserst blauen Blue Lake - erhielt ich demonstriert, dass auch ehemalige Gefängnisse und nicht nur Nonnenklöster in Hostels umfunktioniert werden können. Dies scheint Schweizer aus irgend einem Grund anzuziehen, jedenfalls waren wir plötzlich sieben Landsleute in einer kleinen Küche, nachdem ich zuvor etwa dieselbe Anzahl in zwei Monaten Australien getroffen hatte. Mischi und Babs aus Zug sah ich im idyllischen Port Elliot und auf Kangaroo Island wieder, wo ich es zustande brachte, nach 20 Metern Fahrt den Seitenspiegel von ihrem Mietauto an einer Stange zu zerdäppern, beim Versuch eine herumfliegende Colaflasche einzufangen. Muss statistisch gesehen am Auto liegen, nicht an mir. Zum Glück war ich sehr langsam unterwegs und bloss der Spiegel zerbrach, oder bedeutet das nun zum Pech? Die Überfahrt nach küstenglänzend wallabyüberschwemmt Kangaroo Island brachte ein bisschen Segelnostalgie mit sich, passend dazu hat mir Silvie ihre Fotos vom Törn an der Gold Coast geschickt, grosses Merci für das unbemerkte Festhalten von diesen schönen Momenten.

Inzwischen bin ich in Adelaide angekommen und treffe letzte Vorkehrungen für die Fahrt ins Red Centre, unter anderem habe ich es endlich zustande gebracht eine Bullbar zu montieren. Über den Nutzen dieses Manövers kann man diskutieren, denn wenn man ein ausgewachsenes Känguruh erwischt bringt auch diese nicht allzu viel, aber die Chance glimpflich davonzukommen ist etwas höher - für mich und das Auto. Und die Zahl an Tieren, tot auf und lebendig neben der Strasse, ist ein klares Anzeichen dafür, dass die Chance für einen direkten Zusammenprall mit der Natur nicht unerheblich ist. Ich versuche das Risiko zu mindern und möglichst nicht während der Dämmerung und bei Nacht zu fahren. Wasser- und Benzincontainer, anständiges Motoröl, durchgecheckter Bordcomputer, möglicherweise ein gemietetes Satellitentelefon und Aushänge um eventuell einen Reisegefährten zu finden sind weitere sicherheitsbedachte (und elternberuhigende?;) Massnahmen.
Adelaide beherbergt zu dieser Jahreszeit massenhaft Festivals, und ich würde mir gerne etwas mehr Zeit lassen dafür, doch die Wüste und die Westküste rufen, und darauf freue ich mich schon lange. Neues voraussichtliches Datum für meinen Rückflug in die Schweiz ist der 1. Juni. 

Bilder von zwischen Melbourne und Adelaide.

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