Montag, 10. Februar 2014

Mehr (B)Engel als Teufel

Nitya und Kailash leben in einer von vier Cohousing Communities in Australien, einem dorfähnlichen Wohnmodell, in dem ein zentrales Gebäude Platz bietet für drei gemeinsame Abendessen pro Woche, ein TV-Zimmer, Waschküche, Gästezimmer, Spielecke. Dadurch können Räume in den 14 umliegenden Privathäusern gespart werden, und es entsteht eine Gemeinschaft, die einander deutlich näher ist und einander mehr unterstützt als eine übliche Nachbarschaft, was nicht nur für eine alleinerziehende Mutter ein Segen ist. Natürlich bringt das aktive Zusammenleben auch Reibungspunkte mit sich, und es bedarf erwachsener Wesensarten, damit ein solches Projekt funktioniert, Cascade Cohousing tut es aber seit über zwanzig Jahren.

Eine Woche in Tasmanien kann der Insel, immerhin gut eineinhalb Mal so gross wie die Schweiz, nicht gerecht werden. Einen Einblick gewann ich bei Spaziergängen und Wanderungen am Mount Wellington (1270m), bei einer wochenendigen Abschiedsfeier einer Freundin Nitya's an der Ostküste, und einem magischen Ausflug an die normalerweise mit Touristen gefüllten Wineglass Bay. Der Weg dahin war wegen einem totalen Feuerverbot gesperrt, was uns nach ausgiebiger Risikoanalyse nicht davon abhielt weiterzugehen, im Bewusstsein stets unweit der Küste und Wasser zu sein. Die Brandung in der Bay war wohl mit die grösste, in der ich je geschwommen bin. Hinaus zu kommen war recht schwierig, zurück an den Strand wurde ich schliesslich unfreiwillig in drei mächtigen Waschmaschinen gespült, dazwischen von massenhaft kleinen Bluebottles (Portugiesische Galeeren) malträtiert - das Brennen wich aber schnell der Freude am diesem entzückenden Stück Natur. Trotz Sonnenbrandgefahr, Brandung und Brennen gab's kein Feuer.
An einem kalten (also normalen) Tag in der Hauptstadt Hobart herumzulaufen hat mich stark an Schottland erinnert, immer ein gutes Zeichen.

Der Umweltaktivistin Nitya zuzuhören, wenn sie total sachlich und bescheiden von ihren Erlebnissen und Projekten erzählt heisst unweigerlich, sich und seine eigene Tätigkeit zu hinterfragen. Während wir heute in der Schweiz weniger Wälder oder Flüsse haben, die vor Ausbeutung zu Lasten der Umwelt geschützt werden müssten, wäre etwas wie ihre jetzige Arbeit beim Roten Kreuz zur Integration von Flüchtlingen sehr aktuell.
Der 9jährige Kailash scheint die Liebe und den Respekt für die Natur von seiner Mutter mitbekommen zu haben und erkundet voller Energie jeden Stein und jeden Baum. Ausserdem ist er viel zu clever für sein Alter und gibt Sätze von sich wie "All that cheese sounds glorious!" wenn ich von der Schweiz erzähle. 

Nach einem warmen Willkommen zurück in der Nunnery - die meisten Langzeitinsassen sind immer noch hier - mache ich mich in den nächsten Tagen auf in Richtung der Great Ocean Road.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen