Montag, 3. März 2014

Auf Abwegen

Das Wichtigste zum folgenden Unfall gleich im Voraus: Ich bin abgesehen von ein paar Kratzern unversehrt. Von meinen Auto ist hingegen nicht viel übrig.

Nach längerem Abwägen und auch nach Rücksprache mit Einheimischen habe ich mich für einen 100km langen 4wd Track entschieden, der mir etwa 140km Weg einsparen konnte. Anfänglich behutsam, dann mit etwas mehr Tempo aber immer noch deutlich unter der Limite hatte ich die ersten 60km gut zurückgelegt, bevor ich über eine Kuppe fuhr und nicht auf die dahinterliegende Kurve gefasst war. Anstelle etwas geradeaus zu fahren, wie spurensichtlich andere vor mir, habe ich ein bisschen stark gelenkt, das Heck brach aus, und als die Räder wieder griffen zeigte die Fahrtrichtung endgültig offroad. Über die Bordschanze, Salto und halbe Schraube, wackelnd gestanden. Erster Eindruck war eine ziemliche Unordnung, keine Scheiben mehr. Danach das Bett, das komplett zerbrochen den Heckraum füllte. Kühlflüssigkeit, die grün neben das Auto ausläuft. Mir tat nichts weh. Dann loderten Flammen aus dem Motor auf, das machte die Sache sofort ernster und hektischer. Löschen? Kaum eine Chance, und das Auto ist sowieso hinüber, also einfach raus, mit allem das ich greifen konnte, zuerst Wasser, Benzin und Gas. Die Türen, ausser meine, liessen sich nicht öffnen, obwohl ich es wohl nur auf der Fahrerseite und beim Kofferraum versuchte. Irgendwie kriegte ich auch die Kühlbox und den grossen Rucksack aus dem Fenster zwischen dem zerstörten Bett hinaus, bevor ich mich entschied, dass es nicht mein Leben wert ist, zu versuchen noch mehr zu retten. Alle Dinge weiter weg tragen, für den Fall dass doch noch was explodiert, aber das geschieht nur in Filmen. Über die Strasse tragen, für den Fall dass der Busch Feuer fängt. Die paar kleinen blutenden Wunden, vom Crash oder vom Dinge rauszerren, schmerzten jetzt ein bisschen, und Fliegen schwärmten wie verrückt dafür. Die Zeit begann wieder normal zu laufen.

Die ersten drei Autos waren in die falsche Richtung unterwegs, einer der Aborigines versprach nachsehen zu können ob ich noch immer da bin in ein paar Stunden. Wasser hatte ich genug, und die 40km zur Hauptstrasse laufen wäre auch gut dringelegen, trotzdem war ich natürlich froh als mich nach zwei drei Stunden Todd und Natalie mit ihrem Campervan aufluden und samt nicht verbranntem Hab und Gut nach Alice Springs mitnahmen.

Ich hatte wieder einmal viel Glück unter dem Strich, und bin auch froh, dass niemand anderes im Auto sass. Von den Dingen, die den Flammen zum Opfer fielen schmerzen die Fotos (in besserer Qualität) und zwei liebgewonnene T-Shirts fast am meisten, nicht ganz einfach zu ersetzen sind Kameratasche und -ladegerät, Brille und vielleicht Vertrauen in die eigene Fahrtüchtigkeit. Ich hörte inzwischen aber auch viele Geschichten von meinen australischen Freunden, die mir zumindest zeigen, dass ich bei Weitem nicht alleine bin mit einem Autopurzelbaum. Trotzdem bleibt natürlich immer ein Fehler am Lenker haften bei einem Selbstunfall, und wenn's nur ist, dass er die Verhältnisse unterschätzt, oder zu wenig aufmerksam ist. Ich werde mir Mühe geben für den Rest. Die Bilder vom brennenden Auto sollte sich nur anschauen wer das auch wirklich sehen will.

Doch nun zu den erfreulicheren Geschichten, als das Auto noch eine Farbe hatte. Die Strecke ab Adelaide hoch in die Mitte  wird spätestens nach Port Augusta, wo zum ersten Mal ein grosser Bevölkerungsanteil aboriginal war, schnell desolat und leer. Eine Weile scheint alles abzunehmen, Verkehr, Vegetation, Bodenerhebungen. Diese Wüsten - Mehrzahl denn die Landschaft ändert sich mehrfach und es werden verschiedene Ökoregionen unterschieden - sind aber nie reiner Sand, es bleiben Busch und manchmal Bäume, die aber immer einen Respektabstand voneinander einhalten als hätten sie Angst einander zu nahe zu rücken, schneeweisse Salzseen aus denen Gesteinsformationen ragen und damit die Illusion eines Nebelmeers erzeugen, und dann kommen teilweise farbenprächtige Hügelketten zurück, an denen sich das horizontsuchende Auge entspannt. Die Temperaturen liegen unter der brennenden Sonne meist über 30 Grad zu dieser Zeit im Jahr, aber es ist eine trockene, im Schatten gut aushaltbare Hitze, und sobald es eindunkelt ist es ein Gefühl wie in den besten Sommernächten in der Schweiz, wenn der Boden noch Hitze abgibt und sich mit den kühleren Brisen duelliert. Zumindest zu Beginn, im kleinen Wüstenkaff Coober Pedy, das mich nicht nur wegen einem zurückgelassenen Raumschiff an Mos Eisley (Star Wars) erinnerte, scheint die Wüste eine Wildheit zu besitzen, die ein inneres Zittern auslöst. Als die grösste Opal-Förderstätte der Welt ist die ganze Umgebung von Coober Pedy löchriger als ein Schweizer Käse, und die Bewohner haben hitzeausweichend angefangen auch unterirdisch zu hausen, das Backpackers hatte seine Räume 7 Meter unter Grund.
Weiter gegen das Zentrum mit den Touristenattraktionen von Uluru, Kata Tjuta und Kings Canyon wird die Landschaft etwas zahmer, lieblicher, aber auch spezieller. Uluru an sich, der berühmte Ayers Rock, hat mich davon fast am wenigsten beeindruckt, und ich liess mich relativ einfach umstimmen, den Wunsch der Aborigines zu respektieren und den Felsen nicht hochzulaufen. Ich frage mich dennoch, ob ich den Geist im Felsen (siehe Fotos) nicht dennoch erzürnt habe. Mit den Fotos. Kings Canyon hingegen war, nach anfänglichem vom Vergleich mit den amerikanischen Canyons induzierten verfehlten Gähnen, ein einzigartiges Erlebnis in einem kontrastreichen Mix aus surrealen Felsformationen, schwindelnden Abgründen und paradiesischen Wasserlöchern. Auf halbem Weg habe ich auf der anderen Seite des Canyons John mit seiner Tourgruppe erspäht, der gleiche 70jährige John, den ich in Wilson's Prom gefahren hatte, den ich in Port Elliott und auf Kangaroo Island und in Adelaide wieder sah, den man kaum mehr als fünf Minuten aushält weil er immer wieder sein Reiseprogramm vorbetet und schwerhörig nicht zuhört, den man trotz alledem und seinem kindischen Wetteifer und Stolz nicht ganz ungern haben kann. Also habe ich ihn eingeholt, direkt an der Tourbustüre, und ihm das Foto von gegenüber dem Canyon gezeigt, bevor ich mich entschied den etwas zu schnell zurückgelegten Teil der Wanderung retour zu gehen.
Und in der Outbackmetropole Alice Springs (25'000 Einwohner, gefühlte 5'000) lief er mir erneut zweimal über den Weg. Man fragt sich wieso mir nicht jemand siebenfach begegnet, den ich auch wirklich mag, jä nu ;).
In den nächsten ca. zwei Wochen fahre ich mit einem teilweise von der Versicherung bezahlten Auto (ausschliesslich auf geteerten Strassen) nach Broome, wo ich schauen werde wie ich am Besten nach Perth komme.

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