Samstag, 31. Mai 2014

Desert wind (partly english)

Es dauerte eine Weile, bis mich Oman für sich eingenommen hatte, aber mit den lichter werdenden Khareef Nebeln gewann ich eine famose Sicht auf die wilden Landschaften, schroffe Berge direkt am türkisen Meer, die "Fjorde Arabiens" in Musandam, halbausgetrocknete Flussbette und glitzrigklare Pools, Strand und Wüste, alte Forts und Dörfer in versteckten Winkeln mit ihren Plantagen. Über und durch all dies trug mich der zuverlässige und unzerstörbare (ich hab's versucht) Landcruiser, ohne sich je ernsthaft zu beschweren. Die grösste Qualität Oman's bleiben für mich jedoch die Menschen, ein ruhiges, intelligentes, zufriedenes Volk, das mir auch ohne viele Worte grosse Akzeptanz, Wärme und Freundlichkeit entgegen brachte. Ein Moment von vielen: An einem Grenzposten im absoluten Niemandsland konnte ich nicht passieren, worauf ich aber durch riesige Schilder lange zuvor vorbereitet worden war - ich wollte einfach bis zum Ende der Strasse fahren. Vom Wächter, mittzwanzig mit Maschinengewehr und Zahnspange, erwartete ich eine mürrische und vielleicht mitleidige Abfuhr, stattdessen war er peinlich berührt und entschuldigte sich wiederholt, dass er mich nicht durchlassen konnte. Es gab Leute, die mir einfach die Hand schütteln wollten, "Welcome" sagten, und dann weiter gingen.
Bilder von Musandam bis Sur.

Weniger schöne Seiten Omans sind: das Abfallproblem - selbst an sehr abgelegenen Orten findet man noch Pet-Flaschen und Plastiksäcke, und im Supermarkt besteht null Verständnis dafür, wenn man die Plastiksäcke ablehnt; Ungeichberechtigung - Obwohl emanzipierter als in anderen arabischen Ländern, müssen sich Frauen im öffentlichen Leben teilweise dennoch unsichtbar machen; der Verkehr - an irgendeinem Punkt entschied ich, dass es weniger gefährlich ist über dem Speedlimit zu fahren, als ständig in halsbrecherische Überholmanöver verwickelt zu sein.

Die Off-season hat hier vorwiegend finanzielle Vorteile und machte eine gelegentliche Hotelnacht durchaus bezahlbar. Auf der anderen Seite sprach ich in den drei Wochen nicht mit einem Touristen (ein paar wenige wären hier), und sah kein einziges Zelt. Das liegt vor allem an den vorherrschenden Saunatemperaturen, die kombiniert mit dem Kleidungsanstand auch für mich grenzwertig waren - in den letzten drei Tagen stieg das Thermometer jeweils auf über 45°C. Das Meer hat zwar perfekte Badetemperatur, ist aber wohl im Winter ruhiger und klarer. Trotzdem sah ich beim Schnorcheln neben den üblichen Verdächtigen den grössten Fischschwarm je, ein Gefühl wie an einer Bahnschranke in den USA, als einer dieser endlosen Güterzüge vorbeifuhr... eine schönere Version davon.

So here goes a lonesome paragraph in English, written in appreciation of those loyal german-disadvantaged friends who despite my choice of language have kept checking my blog with admirable stamina.

Driving into the desert was a long-cherished dream of mine. Rolling hills of scorching heat, eternal beauty and of course sand particles. Off the packed trail and up the dunes, got stuck once on a ridge and played a while in the sand, shovel only, no bucket. The daywind feels like there's a giant blowdryer somewhere, a curse until it subsides and you realise it's even hotter without it. The nightwind, blowing the sand back the other way, a gentle lukewarm caress. After a night and a day everything is coated both sides in sand, not sure if I'm sandcoloured or the sand was skin hued from the start. During the day, staying in the scarce shade, keeping myself from crawling under the car, pondering a chess position, staying hydrated which is a near impossible feat, reading Jack Kerouac's On the Road which may cook your brain even in cold climates, walking around in the heat of the day for kicks, stumbling further towards that beckoning sweet whiff of insanity. At night lying on the roof of the car, passing on the music in my ear to the twinkling stars at the top of my lungs, releasing the craziness. Ever heard that there are more stars in the universe than sand grains on earth? Unfathomable when you find yourself surrounded by dunes. All the while drinking in the pure, simple, rugged, quiet beauty of the landscape, its serenity only slightly impacted by three noisy flies that discovered the car shade, and in one sorry instance, by scat loving beetles. 

Riz Casimir, wer hat's erfunden? Nicht die Schweizer, obwohl sie's behaupten, sondern die Inder aus der Kashmir Region.

Ich habe schandhaft wenig Arabisch gelernt, wurde aufgehalten vom Willen, zuerst die Schrift zu verstehen. Diese liest sich bekanntlich von rechts nach links, was nicht für Zahlen gilt. Stellt sich auch heraus, dass unsere "arabischen Ziffern" eigentlich westarabisch genannt werden müssten und in ihrer heutigen Form in Nordafrika entstanden sind, und nur beschränkt Gemeinsamkeit mit den ostarabischen aufweisen:
0=٠‎, 1=١, 2=‎٢‎, 3=٣, 4=‎٤‎, 5=٥‎, 6=٦,‎ 7=٧,‎ 8=٨‎, 9=٩‎

Morgen fliege ich zurück in die Heimat, was grösstenteils kribbelnde Freude macht, und nur ein bisschen wehmütig stimmt. Ich bleibe noch zwei Nächte in der Jugendherberge und setze damit ein altes Vorhaben in die Tat um. Es gibt mir die Chance, Bern mit den Augen eines Touristen zu sehen, und herauszufinden, welche Art Backpacker in der Schweiz unterwegs ist. Vielleicht entsteht dabei auch ein fliessenderer Übergang. Ich hoffe euch alle möglichst schnell wiederzusehen, freue mich sehr darauf!

Ich werde wohl noch einen letzten Eintrag schreiben, mit denjenigen nostalgischen Rückblicken und gesammelten Reiseweisheiten, die ich nicht für mich behalten kann.

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