Meine Reise in den Oman ist das Resultat einer Idee und fünf Minuten googlen. Entsprechend die Unvorbereitung, der ich in den letzten Tage in Perth auf den Leib rücken musste. Darunter und unter dem trüben Wetter verschwand meine Lust, in Perth noch viel zu unternehmen. Das Wickham Retreat Backpackers jagte mich mit seiner WG-Stimmung auch nicht unbedingt vor die Tür, dafür traf ich aber Hayley wieder, die sich als leichtgeekig nummerhirniges, indischessendes, lautergleichansichtiges Ebenbild von mir herausstellte, mit einer Faszination für Arsenvergiftungen (beruflich, nicht privat). Chris und Francisco, von Alice Springs bzw. Bellingen her, traf ich in Perth zufällig ebenfalls ein zweites Mal, kleines Australien.
Als vorübergehenden Ersatz kaufte ich eine gebrauchte Nikon D3100, und obwohl sie nicht an meine weiland Pentax herankommt bin ich ziemlich happy mit den Bildern, die sie macht: Dubai, Muskat, Souq Plateau, Wadi Tanuf, Jabal Shams, Wadi Damm.
Eine Nacht in Dubai war nicht genug, um mich von meiner Skepsis gegenüber dem Ort zu befreien, und wenn es ein Mekka der Konsumkultur und des Kapitalismus gibt, wäre dieser bestimmt ein Kandidat mit seinen kolossal pompösen Einkaufszentren. Der weitläufigen Stadt fehlt auf den ersten Blick wie erwartet der Charme, aber vielleicht versteckt er sich ja nur.
Der kurze Satz nach Muskat dreht die Zeit nicht ganz so weit zurück, wie man vielleicht erwarten würde, denn Sultan Qaboos führte das Land seit 1970, als er seinen sehr konservativen Vater entmachtete, eigenhändig aus dem Mittelalter in die Neuzeit. Gut ausgebaute Strassen und Telekommunikation, Ausbildungsstätten auf westlichem Niveau, Spitäler, alles Symptome einer der wohl weltweit gutartigsten Diktaturen (oder "absolute Monarchie"). Die UN kürte Oman 2010 zum Land, das in den letzten 40 Jahren den grössten Sprung in seiner Entwicklung gemacht hat. Trotz der grossen Umwälzungen scheint der Spagat zwischen alten Traditionen und Moderne beinahe mühelos zu gelingen, ein einfaches Bild dafür sind moderne Geschäfte und Hotels, alle in den Mantel arabischer Bauweise gehüllt. Die Omanis wirken aufgeschlossen, meistens sehr (gast-)freundlich und sprechen mindestens ein paar Brocken englisch.
Noch auf dem Flughafen wurde deutlich, dass es hier zu märten gilt, das GPS zu meinem Toyota Landcruiser kostete anfangs der Verhandlungen phantasievolle 12.- pro Tag, am Ende noch 3.75, was immer noch zu viel ist. Das nötige Equipment für das wilde Campen (Zeltplätze gibt es kaum, Hotels sind unanständig teuer) und die 4wd-Fahrten konnte ich glücklicherweise grösstenteils mieten, verglichen mit Australien war ich viel schneller startklar und froh, aus dem nicht extrem spassig zu fahrenden Muskat zu entfliehen.
Der Verkehr ist für Asien relativ gesittet, trotzdem bedeutet Abstand halten alles was keine Beule gibt, die Wahl der Spur ist weder vorgegeben noch lange bindend, Hinweisschilder sind zwar englisch/arabisch zweisprachig aber oft zu spät, Temposchilder sind grundsätzlich Dekoration und als Folge davon gibt es tausendundeinen Speedbump. Benzin ist subventioniert spottbillig (-.27/l). Mit meinem Gefährt war ich erst nur halb zufrieden, etwas klobig, no frills at all, kein Bluetooth, ein einziger 12V Anschluss. Die erste Steinpiste belehrte mich aber des Wesentlichen, und darin ist der Landcruiser wie erwartet klasse.
Insgesamt fühle ich mich sehr sicher hier, es besteht auch eine grosse Toleranz gegenüber dem wilden Campen - man muss das Zelt schon fast in den Grundfesten einer zukünftigen Moschee platzieren (erste Nacht:), damit man (freundlich) weggewiesen wird.
Gehörig auf die Laune schlug mir bisher ein fast alltäglicher Dunstschleier aus Sandstaub, der den Himmel in ein unvorteilhaft graugelbes Licht rückt und jede Aussicht verschleiert. Unsicher, wie langanhaltend oder gar chronisch der Zustand ist, war ich erleichtert, als die Sicht kurz aber rechtzeitig aufklarte für Jabal Shams, höchster Berg Omans mit 3000m, und den gleich daneben liegenden "Grand Canyon". Entlang der steilen Wände führt eine fantastische Wanderung zu einem ebenso verlassenen wie unwahrscheinlichen Dorf im Rachen des Canyons, wo der Terrassenanbau 1000m über dem Talboden zusammen mit dem Wasserfall offenbar einmal ein abgeschiedenes Dasein ermöglichte. Dieses führt auch Saif, den ich den Berg hinauf mitnahm und der am Ende der Strasse an der Canyonkante wohnt. Er lud mich zu Kahwa und Datteln ein, was einen kurzen Abwehrreflex auslöste, denn normalerweise sind kulturübergreifende Hausbesuche für mich eher eine Pflichtübung, zu unfrei, verständigungserschwert einwortprosatzig, und häufig mit gelderhoffendem Unterton belastet. Der Reflex wich aber schnell dem Gefühl, dass damit Bilder in mir zum Leben erwachen, die wohl als erstes von den Büchern Karl Mays, vor über 25 Jahren, gemalt worden waren. Die Einfachheit des Raums (eine Tür, ein Fenster, ein Strohteppich, eine hastig zusammengerollte Schlafmatte), die Absenz von Dekorum oder Befangenheit, der wahrscheinlich erste Cappuccino meines Lebens den ich wirklich mochte - einziger Wermutstropfen blieb ein beschränkter gemeinsamer Wortschatz. Als ich ihm zum Abschied Güezis mitgeben wollte, winkte er mit Bestimmtheit ab. Ein Stück Arabien, wie ich es zu sehen erhofft hatte.




Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen