Mit gemietetem Vierradvehikel war ich gemütlich unterwegs, als mich eine sichtlich pressierte Fahrerin mit ihrem Campervan überholte. Nach einem Stop ihrerseits wiederholte sich das Szenario, und beim nächsten Roadhouse ging ich hin und erschreckte sie mit "Hi Hayley!". Beide hatten wir nach einem Reisekumpan gesucht und waren per Mail in Kontakt gewesen, sie hatte aber nur acht Tage Zeit bis Perth, viel zu wenig. Alleine mit Campervan, das schloss einen Irrtum fast aus, ihre Überraschung von einem Wildfremden mit Namen angesprochen zu werden war aber zufriedenstellend gross. Wir blieben auf dem gleichen Zeltplatz und begegneten uns Tags darauf per Zufall nochmals, ziemlich abseits der direkten Route.
Als erste echte Station standen die engen Schluchten des Karijini National Parks an, eine vom Wasser in die Landschaft gefräste Wunderwelt aus Felswänden, Wasserfällen und Teichen, voller Pflanzen und Tiere. Die Aborigines messen dem Fern Pool spezielle Bedeutung zu, und man ist gebeugt dies nachzuvollziehen. Schwimmen darf man dort trotzdem, das kulturelle Entgegenkommen beschränkt sich darauf, Würde zu bewahren und nicht hineinzuspringen, ausserdem ist der Weg dahin nicht mehr auf den offiziellen Karten zu finden.
Im Cape Range National Park, der einen Teil des fantastischen Ningaloo Reefs beinhaltet, wurde vor sieben Jahren meine Leidenschaft für die Unterwasserwelt geweckt, leicht verkehrterweise von einem schlafenden Riffhai. Nach etwas Angewöhnung lernte ich diesmal die im Vergleich mit den pazifischen Inseln unterdurchschnittliche Sichtweite auf eine Art beinahe schätzen, denn nur wenige Meter entfernte Schatten, die sich plötzlich in Haie verwandeln, erzeugen selbst bei angwöhnten Nerven einen herzaussetzenden Kick. Massenhaft Schildkröten, die sich (nur ganz leicht genervt) berühren lassen, eine kolossale Meeresschildkröte, Riffhaie, ein Ammenhai oder vielleicht Zitronenhai, Stachelrochen, zwei riesige Napoleonfische und all die kleineren Fische, weniger als hundert Meter vom Strand entfernt. Mit einem etwa 1m20 grossen Weissspitzenriffhai schlossen sich beim letzten Schnorchel gleich mehrere Kreise. Nachdem ich ihm mehrere Minuten auf seinem gemächlichen Rundgang folgen konnte, umkreiste er einen Korallenfels und passierte in Griffweite unter mir, als wäre ich nicht da. Kurz danach legte er sich unter einem anderen Felsen zur Ruhe, aus der er sich nicht durch nichts mehr bringen liess.
Ningaloo ist zudem einer der wenigen Orte weltweit, an denen man zuverlässig Walhaie sehen kann. Die Saison hatte gerade begonnen, und ich liess mich nach einem Tag murren auch vom schwindelerregenden Preis von etwa 320.- nicht von der Tour und dem Erlebnis abhalten.
Ein Flugzeug hält nach den etwa 5-12 Meter langen Tieren Ausschau und gibt die Position an die Schiffe weiter, ein System das sehr gut zu funktionieren scheint. Leider waren die Walhaie an diesem Tag im tiefblauen und klaren Wasser scheu, und tauchten regelmässig langsam ab, so dass wir nie mehr als ein paar Minuten mit ihnen im Wasser waren, bevor die andere Gruppe von zehn Leuten an der Reihe waren. Ich erhielt nie die Erlaubnis hinunterzutauchen (auch nicht auf Abstand), und der Ablauf ("Absitzen! Maske auf! Zum Heck rücken! Warum ist die Maske nicht auf?! Ins Wasser! In einer Linie bleiben! Blick in diese Richtung! Köpfe ins Wasser!" - hier folgt kurzes mitschwimmen mit dem grössten aller Fische - "Aufhören zu schwimmen! Eng zusammen bleiben! Rauf aufs Boot! Enge Gruppe bilden!") hatte mehr von Militär und Schafherde als von dosierter Effizienz. Ein Freiheitsentzug, dem das Augenblickgeniessen zum Opfer fiel. Gut möglich, dass die nicht wirklich souveräne Gruppenleiterin für einen Grossteil davon verantwortlich war. Die Aufforderung, auf TripAdvisor ein Review zu verfassen, mit der Anmerkung, pro Monat werde vom Manager der Tourfirma eines davon ausgewählt welches ihm gefällt, und der Verfasser erhalte die Tour rückerstattet, ist hingegen reine Bestechung. Meines gefällt ihm mit Bestimmtheit nicht. Zusammenfassend eine weitere Lektion dafür, dass ich nicht auf organisierte Touren gehen sollte - die restlichen Tage am Riff waren allesamt aufregender, zumindest im positiven Sinn.
Célia hat den Walhai mit etwas Glück bei einem normalen Tauchgang in Thailand angetroffen, ich bin sicher das war wesentlich eindrücklicher.
Ein Flugzeug hält nach den etwa 5-12 Meter langen Tieren Ausschau und gibt die Position an die Schiffe weiter, ein System das sehr gut zu funktionieren scheint. Leider waren die Walhaie an diesem Tag im tiefblauen und klaren Wasser scheu, und tauchten regelmässig langsam ab, so dass wir nie mehr als ein paar Minuten mit ihnen im Wasser waren, bevor die andere Gruppe von zehn Leuten an der Reihe waren. Ich erhielt nie die Erlaubnis hinunterzutauchen (auch nicht auf Abstand), und der Ablauf ("Absitzen! Maske auf! Zum Heck rücken! Warum ist die Maske nicht auf?! Ins Wasser! In einer Linie bleiben! Blick in diese Richtung! Köpfe ins Wasser!" - hier folgt kurzes mitschwimmen mit dem grössten aller Fische - "Aufhören zu schwimmen! Eng zusammen bleiben! Rauf aufs Boot! Enge Gruppe bilden!") hatte mehr von Militär und Schafherde als von dosierter Effizienz. Ein Freiheitsentzug, dem das Augenblickgeniessen zum Opfer fiel. Gut möglich, dass die nicht wirklich souveräne Gruppenleiterin für einen Grossteil davon verantwortlich war. Die Aufforderung, auf TripAdvisor ein Review zu verfassen, mit der Anmerkung, pro Monat werde vom Manager der Tourfirma eines davon ausgewählt welches ihm gefällt, und der Verfasser erhalte die Tour rückerstattet, ist hingegen reine Bestechung. Meines gefällt ihm mit Bestimmtheit nicht. Zusammenfassend eine weitere Lektion dafür, dass ich nicht auf organisierte Touren gehen sollte - die restlichen Tage am Riff waren allesamt aufregender, zumindest im positiven Sinn.
Célia hat den Walhai mit etwas Glück bei einem normalen Tauchgang in Thailand angetroffen, ich bin sicher das war wesentlich eindrücklicher.
Die Coral Bay verdient ihren Namen in höchstem Masse - die riesigen Korallenfelder erinnern an einen knorrigen, mystisch düsteren Wald, gleichzeitig faszinierend und unheimlich. Beinahe die Oberfläche berührende Korallen formen Gebirgszüge und erzeugen ein Labyrinth von dazwischenliegenden Tälern, in denen die Fischbewohner Eindringlinge neugierig beäugen und man sich verlieren könnte. Besorgte Bootsfahrer boten mir einen Rücktransport an, als sie mich etwa eineinhalb Kilometer vom Strand entfernt auffanden.
In Coral Bay traf ich ausserdem Nitya wieder, die ihre Familie in Perth besuchte, mir mit dem Bus entgegenkam, und mich auf dem letzten Abschnitt zu meiner Freude begleitete. Sie versuchte mich zwar mit australischen Schoggiostereiern zu vergiften, doch ansonsten passte es perfekt, und es war schön diesen Abschnitt (wie schon letztes Mal, Gruss an Herman) mit jemandem zu teilen.
Die sandigen Pisten des François Peron National Parks hatten den Ausschlag gegeben für meine Wahl eines 4wd. Selbst damit blieben wir ein paar Mal stecken, kamen aber teilweise kaum dazu aufzusteigen bevor die Aussies ausschwärmten um mehr Luft aus den Reifen zu lassen, Sand wegzuschaufeln und das Auto anzuschieben - die gewohnte Hilfsbereitschaft. Am Skipjack Aussichtspunkt sahen wir an allen drei Tagen verglichen mit meinen Erinnerungen enttäuschend wenig im Wasser (bloss eine Gruppe Manta Rays;), und waren schon ein paar Schritte auf dem endgültigen Rückweg, bevor jemand ausrief eine Schildkröte zu sehen und wir nochmal umdrehten. Die Schildkröte stellte sich als Stein heraus, aber gleich darauf explodierte das Leben, Seegras entpuppte sich als Schwärme kleiner Fische, die den überall auftauchenden Haien auswichen, die Schildkröte wurde nun doch gesichtet und am Ende des Spektakels starteten gar noch zwei Mantas zum kurzen Flug aus dem Wasser. Die Farben der Küste in François Peron sind augenbetäubend - von einer roten Düne runtergepurzelt zum goldenen Strandsand mit schwarzer Marmorierung, ins türkise Meer getaucht.
Mit einsetzendem schlechtem Wetter waren wir nach kurzen Besuchen bei den unangepriesenen weissen Sanddünen nach Greenhead (ca. 17km, linkerhand) und den übertouristischen Pinnacles plötzlich schnell im kühlen und regnerischen Perth, wo ich mein untragbares Campingzeugs verschacherte, bisher vergeblich versuchte meine Kamera geflickt zu erhalten, und die Reise in den Oman organisieren werde. Zudem traf ich David, Arbeitskollege bei GlauxSoft, im letzten Moment bevor er mit einer Tour Richtung Broome abreiste.
Der kurze Abstecher zur Ferienhaus-Gemeinschaft Glenbourne nahe Margaret River fiel äusserst sympathisch aus, unter anderem durch ein Dauerbewohnerpaar, das ohne mit der Wimper zu zucken eröffnete, die eine Mitbewohnerin sei inzwischen vom schon länger bekannten (freundlichen) Geist besessen. Zu diesem Zeitpunkt war ich aber schon längst gekauft von den aufgetischten bestechenden Lindorkugeln und nickte nur begeistert.
Die Westküste war nicht weniger zauberhaft als vor sieben Jahren, und gewinnt deutlich meine Stimme für die lohnenswerteste Destination innerhalb Australiens. Sie war aber diesmal bevölkerter, was vermutlich daran liegt, dass ich bereits in der etwas kühleren dry season (April bis September) unterwegs war.
Fünf Monate in Australien, in einer Woche im 40grädigen Oman - im Moment fühle ich eine grosse Zufriedenheit aber auch etwas Desorientierung, die wohl auch mit dem total umgeschlagenen Klima zusammenhängt.
Die kaputte Kamera ist ein bedauernswerter und manchmal frustrierender Umstand, umso mehr, weil ich es sehr schwer haben werde, eine gute Alternative zu finden für Oman. Mit dem Handy Aufnahmen zu machen ist, wie ihr selbst sehen könnt, nicht vergleichbar. Einige der Fotos stammen von Nitya und ihrer Kompaktkamera, und die Walhaifotos wurden von der Tourfirma gemacht.




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