Dienstag, 10. September 2013

Wüstenwanderungen

 Nach dem ersten Kilometern in die Chisos Mountains hinein war ich bereits dehydriert und mir bewusst, dass zwei Liter Wasser eindeutig zu wenig sein würden in dieser extrem trockenen Luft. Der typische Anfängerfehler, der mir seit Jahren nicht mehr passiert ist. Ich habe lieber rationiert als zurückzugehen. Natürlich hat mich dies auf den restlichen, langen und wunderschönen 25km etwas gequält, aber das eisgekühlte glücksgefühlte Cola hernach machte dies wieder wett. Was mich wiederum an eine Wanderung in Neuseeland erinnerte, als ich den krassesten Hungerast gefolgt vom besten Apfel meines Lebens hatte. Für zusätzlichen Ballast sorgte ein am Wegrand verlorenes, brandneues Programmier-Lehrbuch, das seinen Besitzer wahrscheinlich trotzdem nicht wiedergefunden hat. Der Big Bend National Park hat etwas schwer beschreib- und bebildbares, die Fotos werden ihm nicht gerecht. Es ist als wären die Farben farbiger, die Sterne heller, alles etwas intensiver und lebendiger, trotz oder vielleicht gerade wegen der Wüste. Von Hinweistafeln begrüsst, die mir nicht nur den schon bekannten Schwarzbären, sondern auch noch Pumas verprach (man sollte nicht allein, nicht bei Sonnenauf/untergang, und nicht rennend unterwegs sein...), habe ich einen robusten Wanderstab mitgenommen und war überzeugt, noch unter dem Eindruck von Shenandoah, dass ich nur ein paar Schritte machen muss bevor ich das erste Fauchen höre. Doch weder Schwarzbär noch Puma hatten Lust mich zu erschrecken, bloss Tarantel und später dann Schlangen (eine hat geklappert, die andere nicht) liessen sich blicken. Und natürlich Rehe, aber die sind langsam langweilig, die versuchen ja nicht mal zu beissen. Dafür können sie einem surrealerweise zuzwinkern. Eine ausgemergelte Schwarzbärin (ist ein langer Marsch von Shenandoah) mit Jungen begegnete mir schliesslich noch auf dem Weg aus dem Park, und kümmerte sich herzlich wenig um mein Auto. Die Abgelegenheit von Big Bend (oder wie ich irgendwo gelesen habe: es gibt Orte mitten im Nirgendwo, doch dieser Nationalpark ist am Ende von Nirgendwo) bedeutet auch, dass extrem wenig Besucher dort sind.
Warum letzeres auch auf das White Sands National Monument in New Mexico zutrifft ist mir hingegen ein Rätsel. Auf einer 8km Wanderung durch diese weisse Märchenlandschaft habe ich ausser beim Ausgangspunkt keine Menschenseele gesehen. Der Sonnenuntergang in der Wüste war dabei unglaublich, ein Naturschauspiel, wie ich es mir kaum schöner vorstellen kann. Aus einem See entstanden existiert das 700 Quadratkilometer grosse Dünenfeld nur, weil der wasserlösliche Sand (Gypsum) wegen dem eingeschlossenen Becken nicht abtransportiert wird, sondern wieder kristallisiert. Gypsumsand hat eine leicht andere Beschaffenheit und ist grundsätzlich etwas kompakter als normaler Quarzsand, was das Laufen darauf einfacher macht. Man kann auch Plastikwoks mieten um die Dünen hinunter zu rodeln, das hat aber in meinem Fall (mangels Wachs oder aufgrund falscher Düne) nicht wirklich geklappt.

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